Damen- und Herrensitzungen 2010

BNN vom 18.1.2010:

Hördener Narren brauen zauberhafte Mixtur
In der „Hexenküche Flößerhalle“ überzeugt die Narrenzunft „gefühlte drei Stunden lang“ / Albrecht und Schnepf nehmen die neue Unterführung aufs Korn
Gaggenau-Hörden. Krötenschleim und Schlangenzahn – wenn die Wetterhexen fliegen, bringen sie mal Sonne, mal Orkan. Und am Wochenende feierten sie ihren 30. Geburtstag. Entsprechend stürmisch und verhext ging’s zu in den von Bernd Kappler moderierten Damen- und Herrensitzungen der Narrenzunft Schmalzloch Hörden, die am Freitag, Samstag und Sonntag Hunderte Fasebutze in die Hexenküche der Flößerhalle lockten. Unter dem Motto „Fasent isch (k)eine Hexerei“ brauten die Narren mit Krah-Krah-Hurra eine zauberhafte Mixtur. Wie immer „gefühlte drei Stunden lang“.
Den mit elf Gongschlägen eingeläuteten Auftakt gestalteten die Hörtelsteiner Herolde und ihre „Lucky Girlies“ (Leitung: Matthias Zimmer), die Schulhausband (Leitung: Mario Tschan) und die übers Bühnenparkett „fegenden“ Wetterhexen (Trainerin: Jasmin Ahrens). Aus deren Reihen stammt auch die neue, inzwischen 58. Regentin Martina I. (Knapp) – „in toller Tracht als Königin der Schlempe, des hätt’ ich nie gedacht. Bin blond und etwas fester, bin halt ’ne Krankenschwester“.
Bei so viel Hexerei wurd’ ihm nicht bang. Es grüßte aus dem Schmalztopf der närrische OB Thomas Lang. „In diese Zeite, ich kann’s euch sage, hört man so viele Klage. Überall fehle die Mittel, nur die Chefs stecke immer noch g’nug in die Kittel.“ Auch das FVH-Debakel und die Schweinegrippe nahm der mit 25 Jahren Amtszeit dienstälteste OB auf die Schippe. Damit nach jahrelangem Warten endlich was geht, bekommt Kollege Florus am Bande den Magnet, „und der isch immerhin bar bezahlt“.
Mit dem umgetexteten U2-Hit „With or without you“ und einem geschmetterten „Mir brauche koiner, der uns sagt, wie man Fasent feiert hier im Ort“ begeisterte Dominic Heberle. Die „Gerüchteköche“ rührten derweil eifrig im Hexensud und servierten als Stammtischbrüder im „Ochsen“ brühwarm die zotigsten Geschichten aus dem Ort. „Was bring’sch oinem mit, der eh scho alles hat?“, fragten sich die „durschtigen Fiddel“ Armin Wild und Rolf Netzer. Am besten drei neue Liedle samt Gastauftritt von Lynyrd Skynyrd. Zwar waren Armin und Rolf noch nie in Alabama. Die Halle rockten sie aber, als wären sie frisch aus den Südstaaten importiert.
Die in Verbalerotik geübte Herdakrobatin und Sexy-Hexy-Starköchin Josephine alias Frauke Grötz gelangte im Kochstudio zu der Erkenntnis: „Männer denken nur an das eine – ans Essen. Drum: Wer sich nicht wehrt, endet am Herd.“ Seine liebe Mühe mit der buckligen „Verwandtschaft wie sie singt und lacht“ hatte „Fasnachtsmuffel“ Chris Wild in seinem gelungenen Beitrag „Fasent – So en Blödsinn“. Der 13-jährige Sohn vom Mostel erntete zu Recht viel Beifall. Den gab’s in „Verhext noch mal“ auch für die seit 25 Jahren aktiven Meister des Klamauk: Die „Schaumschläger“ nahmen den Gaggenauer Pleitegeier und die Probleme beim abstiegsgefährdeten FV Hörden („Eins ist gewiss: Vor unserer Mannschaft hat niemand Schiss“) ins Visier. Sie ließen die Senioren Frieda und Karl über ihre Ehe kalauern oder machten „echt krass“ als „Isch weiß, wo dein Haus wohnt“-Proleten in Schlabberklamotten Furore.
Im schmuddeligen Berber-Look präsentierten sich indes die „Gaggenauer Hopfenschlingel“ Matthias Albrecht und Rolf Schnepf, die unter der neuen Unterführung hausen, bei Murghochwasser abzusaufen drohen, statt mit einer sicheren Essel-Anbindung mit einer Billiglösung leben müssen – und mit einem OB, der inzwischen ein echter Neurotiker sei: „Er hat den Sparzwang.“ Eine Investition gibt’s trotz allem: An der Ortsausfahrt werden die Schilder ausgetauscht – statt Hörden steht jetzt Hoerden drauf. „Der FVH braucht jeden Punkt!“
Bajuwarisch deftig ging’s zu im Flößerstadl, wo D’Flößer einen Plattler aufs Parkett legten und sich musikalisch mit dem Klimagipfel, dem künftigen Bau der C-Klasse in den USA, der abgekühlten Liebe von CDU und FDP und dem scharfen Paten Berlusconi befassten. Als talentfreier Fahrschüler brachte Ruben Schnepf seine Lehrerin Julia Schiel zur Weißglut. Mit der Quetschkommode bewaffnet, huldigte Jupp aus Kölle alias Björn Stolle dem juten Kölsch, dat immer rin jeht, und stimmte ein „traurijes Liedschen zur schleschten Vorrunde des FC Bayern“ an.
Wenn daheim mal wieder dicke Luft herrscht, dann gibt’s für Eugen Weber, den Mann aus dem zweiten östlichen Seitental, nur eines. Er flieht vor seiner „staatlich angetrauten Steuerermäßigung“ in die Flößerhalle, um dort seine Pointen zu setzen – aber gaaanz bedächtig. Auch die erfolgreichen Schau- und Gardetänzer der Narrenzunft machten ihrem Namen wieder alle Ehre.
Mitreißend, rasant, präzise wie ein Uhrwerk und in farbenfrohe, originelle Kostüme gehüllt. So kennt man die Murgspatzen (Trainer: Conny Dannenmaier, Nicole Salamunovic, Melanie Hirth), die mit ihrem neuen Tanz „Popcorn“ begeisterten. So kennt man die Murgperlen (Trainer: Laura Kappler, Sandra Tschan), die als putzmuntere „Fische“ den Narrentempel kurzzeitig in ein Aquarium verwandelten.
Und so kennt man auch die flotten „Bienen“ der Flößergarde (Trainer: Renate und Laura Kappler), die hinreißenden Fürigen Barthel (Trainerin: Heike Rieger) oder das gekonnt über die Bühne wirbelnde Tanzmariechen Miriam Zalewski.

Ralf Joachim Kraft