BNN vom 3.3.2011

Hördener Umzug wird jetzt moderiert
Die Narrenzunft kündigt einige Änderungen an – auch aus Kostengründen
Von unserem Mitarbeiter Markus Steinhauser
Gaggenau-Hörden. Die Vorbereitungen für die „heiße Phase“ der närrischen Tage sind in vollem Gange. Beim Umzug in Schmalzloch am Sonntag wird es in diesem Jahr einige Neuerungen geben. Kosteneinsparungen sowie ein Zugewinn an Attraktivität stehen dabei im Vordergrund. In einem offenen Brief hat die Narrenzunft Hörden über die geplanten Maßnahmen informiert (zum Fastnachtsumzug in Hörden siehe auch die „Tipps zum Umzug“ und das „Stichwort Hördener Wagenhalle“).
Ziel sei es, „diesen bunten, vielseitigen und kreativen Umzug zu erhalten“. Mit der jetzigen Finanzierungsform könne man nicht mehr lange bestehen, lautet die unangenehme Botschaft. Im Jahr 2008 betrug der Gewinn pro Besucher 0,50 Euro. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Narrenzunft bereits ein Minus von 0,36 Euro. Damit habe sich der Gesamtverlust von 1 300 Euro im Jahr 2008 beinahe verdoppelt, so die Angaben im offenen Brief.
Dabei gehe es keinesfalls darum, Geld zu verdienen, betonen Umzugskoordinator Ralf Epp und Zunftmeister Rolf Schnepf im BNN-Gespräch. „Unser Auftrag ist es, den Umzug als wertvolles Brauchtum in Hörden am Leben zu halten“, sagt Epp. Mit mehreren Maßnahmen will die Narrenzunft die Gesamtausgaben für den Umzug reduzieren. Im Durchschnitt liegt die Zuschauerzahl bei 6 000. Im Vergangenen Jahr hätten nur knapp 4 300 Personen den Umzug besucht, so die Angaben der Narrenzunft. Vor allem das Wetter sei ein nicht kalkulierbares Risiko, erklärt Schnepf. Daher habe man sich Ende des letzten Jahres mit Vertretern der Hördener Fasentgruppen zusammengesetzt und ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet.
Vor allem der Umzugsteilnehmerabend stelle einen enormen Kostenfaktor dar. „Wir wollen dieses Alleinstellungsmerkmal natürlich weiterhin halten“, so Schnepf. Daher wird ab sofort ein Selbstkostenpreis von mindestens einem Euro pro Getränk erhoben. Das Essen bleibt weiterhin kostenlos.
Um den Umzug in Zukunft attraktiver zu gestalten, wird er in diesem Jahr erstmals moderiert. Dabei wird das Publikum in Höhe der Gaststätte „Anker“ mit zahlreichen Informationen versorgt. Zusätzlich soll ein mobiler Co-Moderator auf der Strecke eingesetzt werden. „Wir versuchen damit, das Ende des Umzugs zu entzerren“, erklärt Schnepf die Maßnahme. Eine enorme Anzahl an Zuschauern auf Höhe der Verkehrsinsel bei der Flößerhalle beendete den Umzug bisher verfrüht. Durch die Moderation soll er nun in Richtung Ottenau verlängert werden. Dass viele Gruppen mit lauter Musik selbst für Stimmung sorgen, sei eine zusätzliche Herausforderung für die Moderatoren, stellt Schnepf fest.
Auf dem Parkplatz hinter der Flößerhalle wird es außerdem ein närrisches Dorf mit Ständen geben. Dort sollen die Gruppen, zusammen mit den Besuchern, am Ende des Umzugs die nachfolgenden Gruppen empfangen. Außerdem wolle man damit die „After-Umzugs-Party“ von der Wagenhalle hinter die Flößerhalle verlagern. Die Unfallgefahr beim Einparken der Wagen sei einfach zu groß, lautet die Begründung im Schreiben der Narrenzunft. Insgesamt wird es im närrischen Dorf sowie entlang der Strecke zwölf Stände geben. Erstmals müssen die Betreiber in diesem Jahr eine Standgebühr entrichten.
Der Eintrittspreis, der seit 1998 zwei Euro beträgt, wird auch in diesem Jahr nicht erhöht. „Das stand gar nicht zur Diskussion“, erklärt Schnepf. Die neuen Maßnahmen seien lediglich ein Schritt in die richtige Richtung, um den Schmalzlocher Umzug langfristig in diesem Umfang zu erhalten. Schwarze Zahlen erwarte man auch in diesem Jahr nicht, so die Prognose. Durch das Einstellen der Suche nach weiteren, ortsfremden Musikgruppen sowie einer Reduktion der Ordensvergabe an die Umzugsteilnehmer sollen zusätzlich Kosten eingespart werden.

Hördener Wagenhalle
Als „einmalig“ bezeichnet Zunftmeister Rolf Schnepf von der Narrenzunft Hörden die Kreativität und das Engagement der zahlreichen Helfer, die in der Wagenhalle Hand anlegen.
Bis auf einige Ausnahmen bauen die Hördener Fastnachts-Gruppen dort wie jedes Jahr ihre fantasievoll gestalteten Umzugswagen.
Das sei mit einem enormen Kostenaufwand für die Narrenzunft verbunden, erklärt der Leiter der Wagenhalle, Reiner Karcher, im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Nur durch dieses Angebot sei die Vielzahl an Wagenmotiven in Schmalzloch überhaupt möglich, so Schnepf.
Von etwa 90 Gruppen, die diesmal am Umzug teilnehmen werden, bieten etwa 25 einen eigenen Wagen. Wagenmotive würden anderorts zunehmend durch Holzmaskengruppen ersetzt, weshalb man die Hördener Wagenhalle auf jeden Fall erhalten wolle, so die Botschaft der Narrenzunft. mst

Tipps zum Umzug 
Gaggenau-Hörden (BNN). Im Vorfeld des Hördener Fastnachtsumzuges am kommenden Sonntag (Beginn 14.11 Uhr) gibt die Narrenzunft einige Tipps für Besucher.
• Bereits ab 11.11 Uhr öffnet das närrische Dorf mit seinen Ständen auf den beiden Parkplätzen südlich und nördlich der Flößerhalle die Pforten. Dort wird auch nach dem Umzug bis in den Abend hinein für Stimmung gesorgt sein.
• Auswärtigen Besuchern empfiehlt die Narrenzunft, das Gefährt zu Hause zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß nach Schmalzloch zu kommen. Der Karlsruher Verkehrsverbund bedient den Haltepunkt Hörden fahrplanmäßig im Stundentakt zur Minute 56 beziehungsweise 02 in Hörden. Außerdem halten die Eilzüge aus Richtung Karlsruhe um 12.40 Uhr und aus Richtung Freudenstadt um 13.17 Uhr außerplanmäßig an der Hördener Stadtbahnhaltestelle, von der die Umzugsstrecke in einer Minute erreichbar ist.
• Nach dem Umzug fahren Züge stündlich mit Abfahrt in Hörden zur Minute 56 in Richtung Freudenstadt und zur Minute 02 in Richtung Karlsruhe. Ferner halten die Eilzüge um 16.40 Uhr in Richtung Freudenstadt und um 17.17 Uhr in Richtung Karlsruhe außerplanmäßig.
• Die Umzugsstrecke wird bereits ab zwölf Uhr für den gesamten Verkehr voll gesperrt. Die Narrenzunft betont ausdrücklich, dass es hierbei aus Sicherheitsgründen keine Ausnahmen geben kann. Das gilt für Teilnehmer und Besucher gleichermaßen.
• Noch ein Tipp: Die Anzahl der Dixi-Toiletten entlang der Umzugsstrecke wird heuer erhöht. Die Toiletten im Vorraum der Flößerhalle stehen nicht mehr zur Verfügung (die Personalkosten für das Security-Personal in der Halle wären zu hoch); die Flößerhalle bleibt am Sonntag geschlossen.