Hörden und sein Brauchtum

Das Flößerdorf Hörden

"Und wer in Hörden will wohnen,
muss essen Schnitz und Bohnen
und sich an den Rückkorb g´wohnen."

Hörden wird erstmals im Jahre 1408 als "Herde" der Grafschaft Eberstein zugehörig urkundlich erwähnt. Mit "Herde" oder "Hardte" wurde ein großflächig zur Weidefläche abgeflammtes Gelände bezeichnet. Die ersten Hördener waren also mit Viehzucht und Ackerbau beschäftigt. Mit dem Aufkommen der Holzwirtschaft und der Flößerei erwies sich Hördens Talaue als ideales Gelände für den Bau von Sägemühlen und Flößen, denn die Murg teilte sich hier in drei Arme, die sich unterhalb des Dorfes vereinigten. Der größte Murgarm am Sportplatz wurde "Ixbittmurg" genannt und hier stand schon 1494 der große Holzfangplatz: die Eßzell. Die Flößereiordnung von 1509 beschreibt zwei Eßell "unnden in der ygsbytt uff dem haupt", also auf der breiten Murginsel am Fuße des Kuppelsteins. Das Holz wurde an der Eßell gesammelt, den Sägemühlen zugeführt und das zu Flößen eingebundene Holz nach Steinmauern "geflaizt". Zeichen dieser Blütezeit sind neben dem Kast'schen Häuserensemble das älteste im Landkreis erhaltene Bildstöckehen von 1549, das heute unten am Bahnhof steht und das Nischenkreuz von 1680 in der Frühlingstraße.
Neben der Holzwirtschaft gingen die Einwohner der Landwirtschaft nach und pflanzten bevorzugt Flachs an, den sie zu Leinen verwebten. Da der Weinbau und die Landwirtschaft nur geringe Erträge brachten, mussten die Hördener recht bescheiden leben. Über einen späteren Berufszweig schreibt Jägerschmidt im Jahre 1800: "Faßtauben, Glaserholz und besonders Züber, Kübel und Eimer werden viele hier verfertigt und letzteres Metier beschäftigt mehrere Meister." Als zusätzliche Verdienstquelle wurde die Steinhauerei entdeckt, für die die Hördener Steinbrüche das Rohmaterial lieferten.
Doch die Zeit blieb nicht stehen. Im benachbarten Württemberg begannen bereits nach 1860 Planungen zum Bau der Enz- und Nagoldbahn. Aus Angst, die Konkurrenzfähigkeit zu verlieren, gründete sich hauptsächlich auf Betreiben des Gernsbacher Holzindustriellen Casimir Rudolf Katz - die Badischen Staatseisenbahnen zeigten damals kein Interesse - die Murgthal-Eisenbahn-Gesellschaft. Am 19. August 1868 begann der Bau der Murgtalbahn von Rastatt zunächst bis nach Gernsbach. Bereits neun Monate später dampfte der erste Zug über die 15 Kilometer lange Strecke.
Mit dem letzten Floß das Ende des 18. Jahrhunderts die Murg hinunter fuhr, war die neue Zeit der Industrialisierung Realität und damit der Aufbau der Papierindustrie und der metallverarbeitenden Betriebe. Als Folge sind neue Berufe entstanden und alte Tätigkeiten wie Flötzer, Säger, Waldhauer, Wagner, Häfner, Bändelweber, Fischer und Steinhauer in Vergessenheit geraten. Heute erinnert das "Flößermuseum im Haus Kast" in Hörden an diese alten Berufe.

Alt-Hördener Sitten und Gebräuche

1937 schreibt Heimatkundler Hermann E. Busse in dem Buch der "Ufgau": "Über das Murgtal wäre noch mancherlei zu sagen, wenngleich es bisher volkskundlich nicht eindringlich bearbeitet wurde. Der volkskundlich ausgiebigste Ort scheint Hörden zu sein, in dem auch ein altes Fastnachtsbrauchtum noch vorhanden ist."
Schalkhaft und nicht ohne Stolz versuchen wir auf die alte Tradition der Hördener Fastnacht hinzuweisen. Dass sie älter sein soll als der Ort selbst, ist einerseits eine närrische Behauptung, dokumentiert aber andererseits das Selbstbewußtsein des hiesigen Narrenvolks. Es muss schon etwas an dieser Sache dran sein, wenn selbst der Murgtalbote am 13. 2. 1931 schreibt, "gute alte Sitten sind in dieser Gemeinde noch gut erhalten und kommen besonders in der Fastnachtszeit stark zum Ausdruck".
Begeben wir uns also auf die Suche nach diesen alten Sitten und Gebräuchen.
Vorneweg die Sagen und Legenden: sei es die Sage vom Hördelstein, vom Galgenberg, vom Hinterdorf, von der Sackpfeif, Hexenkessel oder Weinau. überliefert ist die Sage vom weißen Hasen, vom Irrlicht oder Ziegelsteinversetzen bis hin zum Fürigen Bartel der Hasselbachsägemühle.
Günstigen Entwicklungsboden für diese Sagen brachte das "Stubbengehen" mit der "Sperrnacht" am 23. Dezember, der gemeinsamen Feier, in der die erste Hälfte der Spinnzeit beschlossen wurde. Diese Sperrnacht bot, ähnlich wie heute die Nacht zum ersten Mai, für die jungen Burschen des Dorfes die Möglichkeit, allerlei Schabernack zu treiben: Die Fenster der Mädchen wurden mit Ketten zugesperrt und die Türen mit Reisigbündeln zugesetzt. Ein beliebter Sport war dabei das "Ladenklopfen", das heute noch als "giegeln" betrieben wird. Am Wendelinustag, dem Tag des Ortspatrons, trieb man das geschmückte Vieh zuerst in das Laufbachtal, anschließend in einem Umzug durch den Ort. Danach wurde es von einem Geistlichen gesegnet. Bis in das 18. Jahrhundert hinein war es Brauch, den Erstgeborenen "Wendelin" zu nennen.
Am Karfreitag gingen die Burschen mit Rätschen durch das Dorf und erhielten als Geschenk ein "Klepper-Ei". Noch heute ziehen die Rekruten nach der Musterung durch das Dorf und sammeln Eier, nunmehr beachtet von den neuen "Dorf-Rätschen".
Von Jakob Kast ist schriftlich überliefert, dass er am Neujahrstag die Kinder zu sich rief und ihnen eine "Neujahrsbrazel" schenkte. An Silvester und Neujahr gehen noch immer Musik- und Gesangverein durch das Dorf und wünschen mit dem Hördener Neujahrslied ein gutes neues Jahr an. Statt den Heiligen Drei Königen hatten früher die sechs Ältesten des Kirchenchores den Christtag anzusingen. Zunächst ging aber in der Adventszeit der Pelzmärtel um und erschreckte die Kinder. Auf den 1. Mai wurde schon früher der Brunnen bekränzt. Heute stellt der Turnverein den Maibaum auf, die Musik spielt am Morgen des 1. Mai ein Ständchen vom Scheibenberg. Der Gesangverein erfreut mit Maienliedern die Einwohner bei einem Zug durch das Dorf.
Besonders intensiv und heute noch erhalten ist die Hördener Brauchtumsentfaltung zu einer Hochzeit. Aus dem Wetter wird die Zukunft des Brautpaares gelesen und vom 18. Jahrhundert ist uns überliefert, dass während der Trauung zwei Burschen die Glockenseile miteinander verbanden, um dem Brautpaar ewige Treue zu garantieren. Am Abend wird den Hochzeitern ein "Hochzigmaie" mit allerlei Babyausstattung überreicht und ist es Mitternacht, wird der Braut in feierlicher Zeremonie der Brautschleier abgenommen.
Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert sind uns Klagen der Obrigkeit und Geistlichkeit über den Aberglauben und das "Brauchen" überliefert. Hatte man Zahnweh, nahm man einen Löffel voll Branntwein, legte Lorbeerblätter hinein und entzündete den Branntwein. Die Restbestandteile des Lorbeerblattes wurden dann in das Nasenloch gestopft, auf dessen Seite die Zahnschmerzen plagten. Es soll sogar geholfen haben. Ein heutzutage noch wahrgenommener Brauch ist das Bekreuzigen des Brotes vor dem Anschneiden, was die Kinder vor Hunger bewahren soll.
Vielleicht müssen wir gegen die Steuererhöhungen den Brauch gegen das Stehlen beherzigen: Man nahm ein frischgelegtes Hennenei, wickelte einen grün gezwirnten Faden herum und warf das Ei, in Teufels Namen, ins Feuer. Innerhalb von drei Tagen musste der Dieb (in unserem Beispiel der Finanzminister) das Gestohlene zurückbringen.
Zur Behütung der Träume erfolgte ein Verbot des Nachtschwärmens und Wirtshaussitzens, wonach zwischen Michäli (29.9.) und Georgi (13.3.) nachts um 9 Uhr mit der Glocke die Sperrstunde angezeigt wurde. Kein Wunder, Flößerfeste, Kirchweih und die Fastnacht waren eine gern gesehene Abwechslung im Einerlei.

Rolf Schnepf

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