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Warum das T so wichtig ist

Der Narrenzunft „Schmalzloch“ Hörden brennt schon seit Jahren ein Thema auf den Nägeln: die Schreibweise von „Fastnacht“ in den Medien.

Nachdem wir 2017 als Motto „Fasent macht Schule“ auserkoren haben, gestatten wir uns in die Rolle des Oberlehrers zu schlüpfen und wollen das Folgende festhalten:
1. Karneval wird in Mainz und rheinabwärts gefeiert.
2. Fasching ist bayrisch und geht deshalb hierzulande gar nicht.

Bei Fasnacht ohne „T“ wird es heikel, denn das „T“ haben die Nationalsozialisten nach 1933 aus dem Sprachgebrauch „verschwinden“ lassen, um vom katholisch-kirchlichen Ursprung abzulenken und stattdessen einen germanischen Ursprung der Fastnacht zu etablieren.
„Der“ deutsche Fastnachtsforscher Werner Mezger hat wiederholt dargelegt, dass sich das NS-Regime kräftig mühte, sich die Fastnacht unter den Nagel zu reißen und das mythologisch-germanische Deutungsmuster zu stärken, andererseits die sprachliche Herleitung der „Nacht vor dem Fasten“ schroff zurückzuweisen. In zahlreichen Publikationen hat das Werner Mezger wiederholt beschrieben.

Noch deutlicher wird der Freiburger Historiker Berthold Hamelmann in seinem 1989 erschienenen Buch „Helau und Hitler“. Der Autor ist darin der Frage nachgegangen, wann das „t“ aus Fastnacht verschwunden ist und kommt dabei ziemlich genau auf das Jahr 1937.
„Wissenschaftler“ in der damaligen Zeit liefern erstaunliche „Erklärungen“ für den Wandel der Schreibweise. „Fastnacht oder wie es in Mundarten wohl richtiger Fasnacht oder auch Faschelnacht ist sprachlich nicht sicher geklärt“, heißt es da. Faseln bedeute in der älteren Sprache „gedeihen“. Die abwegige Folgerung: Fasnacht könnte die Zeit bedeuten, „in der man sich um das Gedeihen sorgt.“ Erst später bedeutete „faseln“ Unsinn reden.
Und schon war den Nationalsozialisten der Bogen zum arisch-germanischen Ursprung von „Fasnacht“ gelungen. Der Freiburger Professor Fehrle 1938 wörtlich: „Wir sind heute stolz darauf, dass wir unsere Volksbräuche vielfach bis ins Germanische zurückverfolgen können. Deshalb sollen wir hier auch eine Bezeichnung, die auf das Germanische weist, als maßgebend bevorzugen und öffentlich einführen. Eindeutig und zugleich für das besondere Wesen des Brauchtumes zutreffend ist die Bezeichnung Fasnacht.“ - Abwegiger geht es wirklich nicht mehr. Selbstredend sind gleichzeitig wissenschaftliche Ansprüche konfessioneller Volkskundler verleugnet worden.   
Daraus muss gefolgert werden, dass „Fastnacht“ mit „T“ die einzig richtige Schreibweise ist. Oder eben auf murgtälerisch „Fasent“. "Fastent" geht mundartlich im Übrigen nun mal nicht ...
Das alemannische „Fasnet“ weist hingegen ebenfalls auf den Sprachwandel nach 1937 hin, ist aus heutiger Sicht also ebenfalls ein no Go. Im Dialekt müsste es richtig heißen: "Fastnet". Das ginge mundartlich und ist im Übrigen im schwäbisch-alemannischen Sprachraum auch weit verbreitet zu hören!

Rolf Schnepf und Bernd Kappler